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Kesselgulasch = Rindfleisch x Zeit²

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Als ich die Tage so im Internet meine wertvolle Zeit totgeschlagen habe, auf diversen Kochblogs Appetit holte, bin ich irgendwie häufiger als Sonst bei diversen Gulasch-Variationen hängen geblieben. Gulasch ist, gerade als Schwabe, für mich eines der Nonplusultra was es an Eintopfgerichten gibt. Schon wegen der Menge an Sauce! Außerdem ist es für mich immer wieder eine Freude, scheinbar minderwertiges Fleisch, durchwachsen und sehnig, durch einen fast magischen Vorgang, zu einem unglaublich zarten Gaumenschmaus zu metamorphosieren. Wenn durch die lange Garzeit das Fett schmilzt und man beim umrühren schon fast bedächtig die Luft anhalten muss weil durch ein Husten oder räuspern die einzelnen Fleischstücke sich in ihre Fasern auflösen dann ist das Gulasch-Werk vollbracht. Einfach Bográcsgulyás!

rahmgulasch-mit-nudeln

Mit Creme-Fresh verfeinertes Rahmgulasch

Was braucht es mehr? Es ist günstig, lecker, bodenständig und man kann es in rauen Mengen vorbereiten.

Was es dazu braucht? Außer Rindfleisch und Zeit? Natürlich wenig Geld! Die Formel dazu lautet also G = RZ² (Gulasch = Rindfleisch mal Zeit im Quadrat). Anhand dieser Formel hat wohl auch Einstein seine bekannte Relativitätstheorie entwickelt. Ich habe die entlarvt du Schuft!

Was ihr braucht und wie es geht sag ich euch jetzt mal.

Zutaten

  • Sehniges Rindfleisch (Beinscheibe o.Ä.)
  • eine Menge Zwiebeln, im Idealfall die selbe Menge wie das Fleisch
  • gutes Paprikapulver bzw. eine Mischung verschiedener nach eurem Gusto
  • Kartoffeln, Karotten, Sellerie, Tomaten, Paprika, Knoblauch, Pilze
  • Tomatenmark, Salz, etwas Chili (und ich hatte noch etwas Harissa, das muss aber nicht rein)
  • Wasser
  • Schweineschmalz

Aus Rind mach Kesselkgulasch

Angefangen wird mit dem Rind. Dieses würfelt man in größere Stücke. Dann wird Schweineschmalz in einem großen Topf erhitzt und das gerade geschnittene Rindfleisch, welches vorher noch kurz gesalzen wird, peu à peu (wichtig sonst kommt das Wasser!) darin scharf angebraten. In dieser Zeit schnibbelt man die Zwiebeln und den Knoblauch (4 – 6 Zehen auf 1 KG Fleisch). Wer dafür länger braucht sollte das aber schon vorher erledigen. Sobald das ganze Fleisch eine angenehme Bräune erhalten hat werden sie Zwiebeln in Schmalz schön langsam angedünstet. Das kann auch gute 30 Minuten dauern. Diese sollten sich gegen Ende fast schon auflösen. Nun zwei bis drei Tomaten häuten, würfeln und ebenso dazu.

Nun kommt das Fleisch wieder in den Topf zu den Zwiebeln. Alles mit heißem Wasser aufgießen so das alles leicht bedeckt ist. Eine gute Prise Salz dazu und etwas von eurer Paprikagewürzmischung.

kesselgulasch-im-topf-schmoren

Nun schiebe ich den Topf in den auf ~ 150°C vorgeheizten Ofen für ca. 4 Stunden. Danach lasse ich alles über Nacht abkühlen und durchziehen.

Am nächsten Tag geht es weiter. Ich finde den Schritt wichtig da die Ruhezeit dem Ganzen einfach unglaublich gut tut und irgendwie einen besseren Geschmack ergibt. Kann aber auch täuschen und mit mir gehen da die Gulasch-Hormone durch. Also am nächsten Tag alles wieder auf den Herd und erhitzen. In Einer Pfanne werden nun gewürfelte Karotten und Sellerie mit etwas Tomatenmark angeröstet. Dazu in den Topf geben. Kartoffeln und Paprika ebenso würfeln und dazu. Pilze in etwas dickere Scheiben schneiden, dazu. Ist vielleicht nicht original schmeckt aber geil.

Mit Salz, Chili und Paprikapulver abschmecken. Wer mag und hat kann hier Kümmel und / oder Harissa zugeben. Muss aber nicht sein. Für weitere ~ 45 Minuten sanft köcheln.

Resultat sollte ein von sich aus gebundenes Gulasch sein welches beim umrühren schon zerfällt. Dazu habe ich versucht Semmelknödel zu bauen. Irgendwie war der Teig aber zu weich und ich entschloss mich diese Knödel in einer Form im Ofen zu backen. Gar nicht so schlecht!

im-ofen-gebackene-semmelknoedel

kesselgulasch-mit-pilzen

Habe natürlich so viel gemacht das ich ein paar Freunde zum Essen einladen konnte UND noch etwas wegfrieren 😉 Aus dieser „Basis“ habe ich dann ein paar Tage später noch ein leckere Rahmgulasch gemacht in dem ich einfach etwas Creme Fresh zugegeben habe.

rahmgulasch

So oder so ein Hit!

 

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14 Antworten zu “Kesselgulasch = Rindfleisch x Zeit²”

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  1. asdfg sagt:

    verrückt.
    in mein gulasch kommt ein drittel rind & zwei drittel zwiebeln, nen schluck wasser, kümmel (!) und en büschn paprikapulver.
    danach dürfen alte & hund ab und zu umrühren, und ich geh ne kiste vernichten (so viel zeit [muss sein] brauchts eh) 😉
    mit dem durchziehen haste absolut recht, das is existenziell!
    3-4 tage sind meiner erfahrung nach genau richtig, länger würde ichs nich stehn lassen, manchma geht man ja im abschmeckwahn mit nem angesabberten löffel rein, kontraproduktiv in solchen situationen

  2. Susanne sagt:

    Hab ein Rezept von einer gebürtigen Ungarin- ein Pfund Zwiebeln auf ein Pfund Fleisch sind Pflicht!
    Die Idee mit den Knödeln aus dem Ofen ist ja echt der Knaller…

  3. Tom sagt:

    @asdfg

    Die 3-4 Tage dann aber im Kühlschrank oder? Mit zwei drittel Zwiebeln stell ich mir auch lecker vor. Lecker und laut 😀

    @Susanne

    Ja die Knödel waren echt super…

  4. bento_bo sagt:

    Hi Tom,
    pass bloss auf, wenn Du mal nach Thüringen kommst. Bestellst Du hier ein Kesselgulasch, bekommst Du was anderes, als aus Deinem Rezept resultiert. Mehr so en Art Suppe mit Einlage aus Schweinefleisch, Kartoffeln und Dosenpaprika. Kann man sicher auch lecker gestalten, doch meistens ist das hier leider nicht der Fall.
    Aber um noch etwas positives an Thüringen zu lassen: Grüsse aus dem Land der definitiv allerbesten Bratwurst!

  5. Tom sagt:

    Oh, danke für die Warnung 😛 ich werde es mir merken… Und ja die Thüringer ist wahrlich lecker 🙂

  6. asdfg sagt:

    nu, klar indn kühlschrank 🙂
    die unmenge zwiebel is nich das problem, die verkocht ja komplett und bildet diese pervers leckere sosse.

  7. barbara sagt:

    könnte man doch auch mal mit fury machen, oder:-)?
    thüringer küche = gleichnamige klöße. alles andere ist zum vergessen. bis auf die bratwurst natürlich, göttlich!

  8. Tom sagt:

    @asdfg
    Ja, die Zwiebeln schmelzen in die Sauce, das ist echt super 🙂

    @barbara
    Ich habe sowieso vor diesen Freitag mal zum Pferdemetzger zu gehen zwecks eigener Lasagne. Was sind schon ~1% Pferdefleisch 😛 Mal sehen, vielleicht muss auch noch etwas Gulaschfleisch mit 😉

    Dann können sich alle wieder schön aufregen und meine Rezepte schlecht bewerten *hahaha* 😀

  9. Tom sagt:

    Guter Artikel! Leider ist es wirklich so. Was die Mehrheit der Fleischfresser wohl machen würde wenn die Filets alle wären?

  10. barbara sagt:

    ja. wie auch du kaufe ich gerne fleischstücke mit denen andere nix anzufangen wissen. ich schmore einfach gerne.

    wenn du die kalauer noch nicht gelesen hast, bitte unbedingt nachholen. der mit den fischstäbchen ist klasse.

  11. Tom sagt:

    Ahaha, hab ich ganz übersehen. Top! 😀 Finde das mit den Fohlien toll 😉

  12. Kochproben sagt:

    Es gibt kein minderwertiges Fleisch, es gibt nur Leute, die nicht kochen können! 😉

    Das mit den Knödeln im Förmchen ist genial! Das muss ich mir unbedingt merken. Hast du die Förmchen eingefettet bzw. sind sie stürzbar oder pappen sie arg im Förmchen fest?

  13. Tom sagt:

    Hey, also die Förmchen habe ich mit etwas Öl eingepinselt. Am Ende habe ich den Rand mit dem Messer gelöst und man konnte sie relativ einfach herauslösen 🙂

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